Wargames 5.0

IG Klettern, 15.02.2018

Es ist der Schmotzige Dunschtig 2018. Ich checke den Wetterbericht und er sagt für Fasnetsdienstag sehr kalt, aber Sonne. Wäre ein guter Tag für den Bad Man Rock - wobei naja die blöde Sonne - egal es soll ja saukalt sein. Für mich ist klar wen ich anrufen kann - Thomas Hermann. Wer ist sonst noch so verrückt bei diesen Temperaturen raus an den Fels zu gehen (Rekord war mit Jörg Mund bei -8 Grad). Thomas im weiteren Doc genannt sagt zu.

Das Fasnetswochenende geht rum und es ist jetzt der besagte Dienstag. Ich sitze morgens beim Frühstück mit Fokus auf den bevorstehenden Kletternachmittag. Es hat -10 Grad und von Sonne keine Spur. Der Himmel ist nebelverhangen. Erste Gedanken die Komfortzone doch nicht zu verlassen und stattdessen eine Beastmakersession zu Hause zu absolvieren keimen auf. Wenig später schreibt Thomas eine Nachricht, ob wir nicht doch lieber ein Pussyprogramm an der 45er in Radolfzell absolvieren sollen, da in Fridingen auch keine Sonne scheint.

In mir kommt eine Entschlossenheit auf, den Temperaturen zu trotzen. Ich antworte: nix da - Bädi. Kein Pussyprogramm. Heizstrahler ist schon eingepackt.

Gesagt getan und die Sonne kam dann auch noch. Beim Exen einhängen habe ich sie aber schon wieder verflucht. Mist zu warm - wieso kann ich nicht einfach mal 3 Grad und bewölkt erwischen. Naja dann wird es halt ein Toprope Trainingstag (wieder mal), aber mittlerweile habe ich es mit den Ausreden die Route nicht vorzusteigen ausgereizt. Ich muss heute vorsteigen und einen Go setzen. Im Grunde hatte ich einfach nur Schiss und so einen Megarespekt vor dieser Tour, dass mir jede Ausrede recht war.

 Szenenwechsel: Es ist Februar 2011 Jörg Mund und ich projektieren die Route rechts von Wargames. Sie heißt Mystery Train (9+) und hat eine echt dreckige, kleine, scharfe Leiste in der Crux an welcher wir uns aufgrund der -8 Grad einen Cut holen, welchen wir in den darauffolgenden Tagen mit Sekundenkleber wieder leistentauglich zu machen versuchten. Ein maximal zwei Go’s gingen pro Tag, anschließend stand ein Felswechsel auf dem Programm. Der Idiotenüberhang ist doch großgriffiger und fingerschonender, wenn der Riss nur nicht so kalt wäre. Egal, was gibt es sonst zu tun? Jörg kurzzeitig arbeitslos und ich Semesterferien.

Seit ich im Winter 2010 das erste Mal an diesen kleinen Fels kam, um den großen Fixator zu klettern, habe ich mich in ihn verliebt und bin seither jeden Winter dort.

Unvorstell- kletterbar zieht eine Linie in der Mitte der Wand nach oben, mit einer solchen Geschichte, einem solchen Nimbus: WARGAMES. Bis dato mit zwei Begehungen 1990 und 91 von den beiden Großmeistern des Donautals Happy Volk und Matze Ruf. Bis sich am 26.11.2011 ein weiterer dazu gesellte Johannes Schlemper aus Konstanz. Am 22.12.2013 kam dann Siddharta Witzemann dazu. In diesem Winter 2013 versuchte ich mich ebenfalls an dieser großartigen Route und ab dem Zeitpunkt jeden Winter. Mal intensiver mal weniger intensiv und begleitet von einer blöden Verletzung des Ringbands bei einem Durchstiegsversuch bei viel zu warmen Temperaturen und oben ohne (sagt schon alles). Gab trotzdem geile Bilder.

 Szenenwechsel: nun 5 Jahre später wieder Sonne, aber die geht ja auch irgendwann unter. Also im Toprope warm machen und warten. Doc bouldert die Schlüsselstellen durch und die Sonne verschwindet immer mehr aus der Wand. Jetzt wirds wieder richtig kalt. Ein Glück habe ich den Heizstrahler dabei. Finger warm machen, Schuhe warm machen und eine Angstzigarette rauchen. Doc zieht derweilen das Seil ab - ich muss jetzt - gibts noch ne Ausrede? NEIN. Ich bin letzten Winter beim letzten Zug an die rettende Schuppe rausgeflogen und bin sie letzte Woche im Toprope durchgestiegen, also: raus aus der Komfortzone und rein in die Tour.

Der Durchstieg war der helle Wahnsinn und unglaublich emotional für mich.

Somit hat die Route nun am 13.02.2018 die 5. Begehung in 28 Jahren bekommen und stellt für mich einen absoluten Meilenstein dar.

 Vielen Dank an alle mit denen ich diese tollen Tage am Bad Man Rock verbringen durfte und noch verbringen darf, denn es gibt ganz links noch eine Route mit vermutlich noch weniger Begehungen. Somit werde ich wieder jeden Winter an den Bad Man Rock pilgern - nur mit einem ganz anderen Gefühl.

Mathias Schöllhammer im Februar 2018


im März 2013
im März 2013

kurz vorm Durchstieg Februar 2018
kurz vorm Durchstieg Februar 2018

Thomas und Matze nach dem Durchstieg
Thomas und Matze nach dem Durchstieg

Chatverlauf

Beasty for Bädi (Thomas)
Beasty for Bädi (Thomas)

Panorama

Wandflucht

3  Kommentare

  • Doc
    15.02.2018 22:00 Uhr

    Genialer Tag! Gratulation!
    Absoluter Plattenwahnsinn vom feinsten!
    Lg Doc

  • Johannes
    16.02.2018 16:55 Uhr

    Nochmal GRATULATION zu diesem Plattenwunder!!!
    LG J

  • Kai
    02.03.2018 16:07 Uhr

    Herzlichen Glückwunsch. Da friert's einen schon beim lesen.

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